Andorn, die Arzneipflanze des Jahres 2018

Quelle: Forschergruppe Klostermedizin - Niedenthal

Berghopfen, Mariennessel, Helfkraut oder Weißer Dorant sind Bezeichnungen für den gewöhnlichen Andorn. Der lateinische Name des zur Familie der Lippenblütler zählenden Gewächses ist Marrubium vulgare. Damit wird auch auf die großen Mengen an Marrubiin verwiesen, den enthaltenen Bitterstoffen, die die Pflanze hilfreich für die Verdauung machen.

Der Andorn wird bis zu 60 Zentimeter hoch, wächst als strauchige, krautige Pflanze vor allem im Mittelmeergebiet, aber auch in weiten Teilen Nord- und Südamerikas sowie sogar in Australien. Die Blüten an den vierkantigen behaarten Stängeln erscheinen von Juni bis September. Sie sind weiß und ordnen sich in kugeligen Scheinquirlen an.

Schon die alten Ägypter und Griechen nutzten Andorn bei Erkrankungen der Atmungsorgane. Viele Jahrhunderte später bezeichnete der berühmte Arzt, Alchemist und Philosoph Paracelsus die Pflanze als „Arznei der Lunge“.

Erwähnt wird der Andorn auch in Hildegard von Bingens „Physica“, in dem sie dem Kraut eine große Bedeutung bei Magenbeschwerden und Atemwegskrankheiten einräumte. Mit Salbei, Thymian und Fenchel in Butter angewärmt, sollte der Andorn auf dem Kopf verteilt werden, um die Leiden zu lindern.

Andere Anwendungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit sind Tees oder Weinauszüge gegen hartnäckige Verschleimungen der Lungen. Vermischt mit Veilchenwurzel wurde Andorn als Hausmittel gegen starken Husten und Seitenstechen eingesetzt. Außerdem gibt es Hinweise, dass Andorn als Heilmittel bei Krankheiten der Leber, Niere und Milz sowie bei Wurmbefall und Geburtsschmerzen zum Einsatz kam.

Für die Verdauung und die Atemwege

Heute wird Andorn meist bei Verdauungsbeschwerden und Atemwegserkrankungen eingesetzt. Genutzt wird die ganze Pflanze, deren Extrakte leicht schleimlösend wirken und den Auswurf von Sekret aus den Bronchien fördern. Wird Andorn als Tee getrunken, hilft er dabei, festsitzenden zähen Bronchialschleim zu verflüssigen, der dann abgehustet werden kann.

Sogenannte dyspeptische Beschwerden wie Blähungen und Völlegefühl können ebenfalls mit Andorn therapiert werden. Die enthaltenen Diterpen-Bitterstoffe, allen voran Marrubiin, bewirken, dass vermehrt Gallensäfte ausgeschüttet werden. So wird die Magensäurebildung angeregt, die Magen-Darm-Tätigkeit verstärkt sich. Auf diese Weise kann Andorn auch bei Appetitlosigkeit hilfreich sein. Andorn sollte allerdings nur von Erwachsenen und Kindern über zwölf Jahren verwendet werden.

Für die Zubereitung eines Andorntees werden 1 bis 1,5 TL des geschnittenen Krauts mit 200 ml heißem Wasser übergossen und etwa 8 bis 10 Minuten ziehen gelassen. Empfohlen werden bis zu drei Anwendungen täglich, die jeweils etwas zeitversetzt vor den Mahlzeiten eingenommen werden. Es ist auch ein Presssaft aus Andorn erhältlich.

Außerdem gibt es Hinweise, dass Marrubiin die Gefäße erweitern kann und zur Schmerzstillung beiträgt. Bevor jedoch entsprechende Empfehlungen ausgesprochen werden, sind noch weitere Forschungen nötig.

Die Forschergruppe Klostermedizin betont: „Der Andorn ist seit etwa 2000 Jahren Teil unserer europäischen Medizingeschichte und gehörte einst zu den beliebtesten Heilpflanzen. Vielleicht wird die Auszeichnung zur Heilpflanze des Jahres 2018 dazu führen, dass der Andorn auch in der heutigen Zeit wieder zu einem häufig verwendeten Naturheilmittel wird.“